Singapur – Futuristische Metropole im Grünen

Wir haben mittlerweile ein paar große Städte in Asien gesehen. Delhi, Mumbai, Shanghai, Beijing, Hongkong, Taipeh und natürlich Bangkok. Singapur fühlt sich anders an, kein Vergleich zu den anderen Megacities.

Singapur ist perfekt für einen Visarun aus Indonesien. Wir haben das Glück, dass unsere Freunde Miri und Erik seit einiger Zeit dort leben, und wir eine Weile bei ihnen unterkommen konnten. Ansonsten hätten wir in dieser teuren Stadt wahrscheinlich nicht über zwei Wochen verbracht.

Grün, grüner, Singapur

Vertikaler Garten Singapur

Vertikaler Garten in Singapur

Wir hatten das Gefühl, alles in dieser Stadt muss höheren Ansprüchen genügen. Hier ist es sauberer, es gibt mehr Grünflächen, die Luft ist besser und die Menschen ehrgeiziger.

Singapur hat sich bereits 1963 zum Ziel gesetzt, die grünste Stadt der Welt zu werden, um dadurch das Leben für die Menschen angenehmer zu machen. Diesem Versprechen kommt sie schon sehr nahe.

Seit 2008 sieht ein Gesetz vor, dass jedes neue Gebäude bepflanzt werden muss, beispielsweise auf dem Dach, als vertikal Garten oder bewachsene Mauern. Abgesehen davon wurden seit 1965 über 1,4 Millionen Bäume auf öffentlichen Flächen gepflanzt.

Dank dieser Bemühungen wurde die Tier- und Pflanzenwelt bereichert, und es sind neue Naturschutzgebiete entstanden.

Quellen: firststopsingapur.com und nationalgeographic.com

Wie wunderbar vielseitig die Tierwelt mitten in der Stadt ist, durften wir während unseres Aufenthalts mehrmals erleben. Beispielsweise kamen wir vom Einkaufen zurück, als wir einen Vogel schreien hörten. Als wir die Bäume über uns mit den Augen absuchten, stießen wir auf ein Kakadu-Pärchen, das ganz entspannt in dem Baum saß und an seinen Früchten knabberte. Leider hatten wir in diesem Moment unsere Kamera nicht dabei.

Abgesehen von vielen Grünflächen, die sich überall in der Stadt finden, gibt es auch zahlreiche grüne Attraktionen, die einen Besuch wert sind.

Zukunft ist jetzt – Gardens by the Bay

Schon wenn man die majestätischen Supertrees im Gardens by the Bay von weitem sieht, fühlt man sich in eine Science Fiction Utopie versetzt, aber in eine für Naturliebhaber und Ökos.

Die 18 gigantischen Kunstbäume sind zwischen 25 und 50 Meter hoch und funktionieren als vertikale Gärten. Sie erzeugen über Solarpanels Strom, für nächtliche Beleuchtung und Kühlung. Sie sammeln Regenwasser und sorgen für bessere Luft durch Ihre Bepflanzung, außerdem dienen sie der Aufzucht von seltenen Pflanzen. Durch Ihre Form bilden sie Dächer und sorgen für Schatten und somit Temperaturregulierung. Was wir bei unserem Besuch bei Hitze und hoher Luftfeuchtigkeit sehr zu schätzen wussten.

Singapur Garden by the bay supertrees Singapur Garden by the bay supertrees

Singapur Garden by the bay supertrees

Einige der Bäume sind mit Fußgängerbrücken verbunden

Das 54 Hektar große Gelände im neuen Stadtteil Marina Bay hat noch mehr zu bieten. Strategisches Ziel bei der Planung des Geländes war es, eine grüne Lunge für Singapur zu erschaffen. Nebenbei sollte die Stadt auch für „Ökotouristen“ interessanter werden (also solche wie uns). So entstand ein Park der zwei riesige Glashäuser beherbergt. Eines davon, der Flower Dome, überdeckt 1,28 Hektar Fläche und wurde 2015 als größtes Gewächshaus der Welt ins Guinessbuch der Rekorde aufgenommen. Hier wachsen (umgekehrt wie in europäischen Gewächshäusern) Pflanzen aus gemäßigten Klimazonen.

Es grünt so grün – Singapore Botanic Gardens

Wenig in dieser Stadt kommt ohne ein Superlativ aus. So weiß Wikipedia über den botanischen Garten zu berichten, dass er der wichtigste botanische Garten Asiens ist und seit 2015 UNESCO Weltkulturerbe. Er ist 74 Hektar groß und mit 4,2 Millionen Besucher pro Jahr der meistbesuchte botanische Garten der Welt. Wie schön, dass man diese Besucherflut, zumindest unter der Woche, gar nicht mitbekommt. Wir hatten einen herrlich entspannten Nachmittag hier und vergaßen sogar kurz, dass wir mitten in der Großstadt sind.

Der Garten hat eine parkähnliche Struktur und besitzt sowohl einladende Wiesen als auch dschungelartige Waldstücke mit Pfaden, auf denen man spazieren kann. Hier wuselt es nur so von zahmen Palmhörnchen.

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Ein besonderes Highlight bildet der National Orchid Garden. Hier muss ein kleines Eintrittsgeld bezahlt werden, im Gegensatz zum ansonsten kostenlosen botanischen Garten. Der Vorteil an dem Klima in Singapur ist, Orchideen müssen nicht aufwendig unter künstlichem Klima gezüchtet werden, sondern wachsen sehr gut unter freiem Himmel.

Die aus 60.000 Pflanzen und 2.000 Spezies bestehende Orchideensammlung ist atemberaubend schön. Wir konnten uns kaum sattsehen an den unterschiedlichen Farben, den hauchzarten Formen, eingebettet in die verschiedensten Grüntöne.

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Als wir schon auf dem Weg zum Ausgang waren, entdeckten wir in einer Baumkrone eine Gruppe Hornbills. Ein weiteres Beispiel für den sagenhaften Artenreichtum Singapurs.

Die Affen rasen durch den Wald – Macritchie Reservoir & Trail

Das Macritchie Reservoir ist das älteste Süßwasser Reservoir in Singapur, umgeben von dichtem, ursprünglichen Primärwald. Um den See herum führt ein hölzerner Weg, in den Wald hinein gut gepflegte Pfade.

Macritchie Reservoir & Trail Macritchie Reservoir & Trail

Hier gibt es neben einer wunderbaren Pflanzenvielfalt auch einiges an Tieren und Insekten zu entdecken. Wir trafen auf zahlreiche leuchtend rote Libellen, bunte Schmetterlinge, Palmhörnchen, Eidechsen, einen großen Waran, und Wasserschildkröten.

Macritchie Reservoir & Trail Makaken

Auf einem Weg nahe am Wasser saß eine größere Gruppe zahmer Makaken. Nicht ganz so frech wie man sie in so manchen Tempel in Asien antrifft, aber keinesfalls scheu. Sie kamen nah heran, so dass wir unsere Tasche, Kamera und insbesondere die Wasserflasche besser festhielten. Wir vermuten, dass sie häufig Futter von den Besuchern erhalten, wir fühlten uns belagert, einer zupfte ungeduldig an Steffens Hose herum.

Es gibt verschiedene, sehr gut beschilderte Trails, die man laufen kann. Manche sind normale Waldpfade, manche Holzstege, die durch die Anlage führen. Die unterschiedlichen Strecken dauern zwischen einer und vier Stunden. Da wir wieder unter der Woche unterwegs waren, war kaum etwas los, am Wochenende ist es wohl sehr voll.

Und sonst so?

Ich fang jetzt nicht an über die zahlreichen Malls zu schreiben, in denen man sich verlaufen kann. Das schreibe ich (Sarah) nicht nur so, ich hab mich auf der Suche nach der National Gallery tatsächlich in einer Mall verlaufen. Oft führen die MRT-Stationen (so heißt die Ubahn in Singapur) direkt in ein Shopping-Center. Dann muss man den richtigen Weg hinaus finden. Google hilft da übrigens nur bedingt. Die Malls sind häufig so groß, dass man von einem zum nächsten Ausgang 10-15 Minuten läuft und Google hat mehr als einmal den falschen Ausgang ausgespuckt. Aber da die Singapuris meist sehr gutes Englisch sprechen, findet man leicht jemanden, der den Weg kennt und behilflich ist.

Museen

ArtScience Museum

Das ArtScience Museum wurde uns ans Herz gelegt und im Stillen hatten wir ein weiteres Superlativ erwartet. Die ultramoderne Architektur der Hauses mit seinem lotusblumenförmigen Dach ist definitiv einzigartig und beeindruckend.

ArtScience Museum Singapur

Wir haben uns die Ausstellung Future World und die Marvel Ausstellung angeschaut. Für die 36 Singapur Dollar Eintrittsgeld wurde aber nicht besonders viel geboten

Als erstes schauten wir uns die Dauerausstellung und Aushängeschild des ArtScience Museums, Future World an. Hier finden in verschiedenen Räumen interaktive Kunstwerke statt. Mit Hilfe von Sensoren, ähnlich wie bei Kinect, reagieren diese Kunstwerke auf den Betrachter. In einem Raum fliegen beispielsweise Schmetterlinge herum in einem anderen gibt es einen Wasserfall. Wer nach dem einen oder anderen Instagram-Hotspot sucht, ist hier richtig.

In den nächsten Räumen kann man Fahrzeuge auf Papier ausmalen und einscannen. Diese werden Teil eines Kunstwerkes und fahren auf einem großen Display umher.

Wir waren ein bisschen enttäuscht, alles etwas banal, schon mal gesehen, und zwar vor mehreren Jahren. So richtig innovativ ist hier nichts. Die Zielgruppe sind hier eher Kinder.

ArtScience Museum Singapur ArtScience Museum Singapur

Zum Ende der Ausstellung kommt dann doch noch ein Highlight, das Crystal Universe ist effektvoll und märchenhaft. Eine virtuose Symphonie aus verschiedenfarbigem Licht aus über 170.000 LED Lämpchen und dazu passender Musik. Man läuft durch einen engen Gang und wird ganz umgeben von dieser lichtdurchfluteten Parallelwelt, die scheinbar unendlich weitergeht. Wir fühlten uns an den Film Interstellar erinnert.

ArtScience Museum Singapur ArtScience Museum Singapur

Anschließend sahen wir uns noch die Marvel Ausstellung an. Wer auf ein paar Selfies mit Marvel Figuren aus ist, kommt auf seine Kosten. Ansonsten eine eher langweilige Angelegenheit. Ein paar große Figuren der Marvel- Helden, ein paar Schilder mit Informationen, die Fans bereits kennen dürften. That’s it, nicht gerade aufsehenerregend.

ArtScience Museum Singapur

Vermischte Traditionen – National Gallery Singapur

Wir Europäer sind verwöhnte Museumsbesucher. Nicht nur was die Anzahl an bedeutenden Kunstwerken angeht, sondern auch die Hochwertigkeit der Sammlungen und die Aufbereitung der einzelnen Ausstellungen. Nach der Enttäuschung im ArtScience Museum hatte ich (Sarah) mir nicht viel erhofft und wurde positiv überrascht.

Das Gebäude ist weitläufig und etwas unübersichtlich. Ich bereute es ziemliche schnell, dass ich nicht einen der am Eingang ausliegenden Lagepläne mitgenommen hatte. Hier befindet sich die größte Sammlung südostasiatischer moderner Kunst.

National Gallery Singapur

Viele der Werke beschäftigen sich mit der bewegten Geschichte Singapurs. Einige stammen aus der Kolonialzeit und befriedigen die westliche Vorstellung eines exotischen Asiens. Faszinierend ist der Spannungsbogen zwischen traditioneller asiatischer Kunst, westlicher Tradition und wie sie sich durch Vermischung gegenseitig bereichern.

Das Personal im Museum fand ich besonders toll. Sobald ich mich für ein spezielles Kunstwerk interessierte, wurden mir auf Wunsch die Details und der Hintergrund erklärt.

National Gallery Singapur

Die sauberste Stadt der Welt

Kaugummis sind verboten, Zigarettenrauchen im öffentlichen Raum häufig auch und auf essen oder trinken in der Ubahn steht einen Geldstrafe von 500 SGD (314 EUR). Noch drakonischer sind die Strafen für diejenigen, die ihren Müll achtlos wegwerfen. Wer zum Beispiel eine Getränkedose wegwirft, zahlt schon mal 1000 Dollar dafür. Wer mehrmals erwischt wird, dem drohen bis zu 5000 Singapur-Dollar Strafe oder Arbeitsstunden, meist reinigen des öffentlichen Raums. Nichtsdestotrotz bin ich an einem der ersten Tage in einen Hundehaufen getreten.

Unser Fazit

Abhängen in Singapur 🙂

Singapur ist nicht nur sehr sauber, es kommt einem vor als wäre auch alles andere wunderbar geregelt. Der Verkehr ist meist flüssig, Staus selten. Es gibt eine Obergrenze für Autozulassungen. Das U-Bahnnetz ist durchdacht und sehr preiswert.

Die Wohnung unserer Freunde liegt im Holland Village, was sehr grün ist und sich nicht wie ein Viertel in einer Großstadt anfühlt. Eher wie Harlaching in München, aber mit Palmen, tropischem Wetter und Pool hinterm Haus.

Alle Menschen, die wir hier kennenlernen durften, waren sehr freundlich und offen. Spürbar ist allerdings auch, dass ein großer Leistungsdruck herrscht. Das Leben ist sehr teuer und finanzieller Wohlstand wird gerne gezeigt, Konsum spielt eine große Rolle. Jeder kennt irgendjemanden, der noch eine größere Wohnung hat und dort noch größere Partys feiert.

Wer in diesem Stadtstaat einen guten Job mit entsprechenden Verdienst hat, kann hier einen sehr coolen Lebensstil pflegen. Wem das nicht gelingt, der hat es schwer.

 

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