Der langsame Rhythmus von Nusa Penida

Nusa Penida Kelingking BeachDie berühmteste Aussicht von Nusa Penida - der Kelingking Beach

Auch über Wasser hat die rauhe Inselschönheit Nusa Penida einiges zu bieten. Anders als Bali, vor allem untouristischer und wilder. Wir haben uns in diese außergewöhnliche Insel verliebt.

Transport & Ankommen – Tabletten gegen Reisekrankheit empfehlenswert

Es gibt verschiedene Möglichkeiten nach Nusa Penida zu kommen. Wir sparen gerne Geld beim Transport, also wählten wir das Boot von Ganga Tours, welches in der Nähe von Kusamba in Bali startet und günstiger ist als andere Anbieter.

Bevor wir das Boot besteigen konnten, mussten wir zunächst auf einen schwimmenden Pier zur eigentlichen Fähre. Hier standen wir dicht gedrängt mit samt Gepäck bei relativ starkem Wellengang. Bei diesem Seegang vom Pier auf die Fähre umzusteigen, war für uns Landratten kein leichtes unterfangen. Zum Glück half uns die Bootsbesatzung mit unseren schweren Rucksäcken, die wir vorher möglichst Wasserdicht verpackt hatten.

Nach der kurzen, unruhigen Überfahrt landeten wir am Hafen Sampalan. Noch bevor wir unsere Flipflops wieder anziehen konnten, wurden wir von aufdringlichen Taxifahrern umschwirrt. Wie es die Art der Indonesier ist, sehr freundlich, mit einem Lächeln im Gesicht. Zum Glück hatten wir unseren Transfer schon im Vorfeld mit der Unterkunft organisiert.

Taxifahren ist in Nusa Penida, für indonesische Verhältnisse, teuer. Du kannst aber immer verhandeln, rechne ungefähr die Hälfte von dem zu erst genannten Preis des Fahrers.

Unterkünfte – schlaflos in Nusa Penida

Unsere erste Unterkunft hatten wir im Vorfeld gebucht, weil wir schwer einschätzen konnten, wie einfach oder schwer es sein würde, etwas zu finden. Wir entschieden uns für ein Homestay im Ort Toya Pakeh, welches recht gute Bewertungen auf booking.com hatte. Die Unterkunft war nichts besonderes, aber wir dachten, zum Ankommen und Orientieren genau das Richtige.

Schon bei der Auswahl der Unterkunft, bei der wir immer auf die Lage achten war uns aufgefallen, dass es eine Moschee in der Nähe gab. Da wir in unseren Ägypten Urlauben oft ein Zimmer in der Nähe einer Moschee gehabt hatten, dachten wir uns nicht viel dabei. Der Singsang, mit dem zum Gebet gerufen wird, empfanden wir noch nie als störend, sondern im Gegenteil, er kann schön und friedlich sein.

In unserer ersten Nacht schreckten wir um 04:30 Uhr aus dem Schlaf auf. Der Muezzin der Moschee hatte zu singen angefangen. Der wirklich schöne und exotische Gesang war so laut, als würde der Sänger auf unserem Bett sitzen. In den ersten Minuten dachten (hofften) wir noch, dass es nur kurz so gehen kann, schließlich bezahlten wir für die Unterkunft und schließlich war es 04:30 Uhr. Von wegen, der Gesang hielt eine dreiviertel Stunde an! Als der Muezzin seinen Gesang geendet hatte, schlummerten wir langsam wieder ein. 20 Minuten später begann der Gesang von neuem. Da an Schlaf sowieso nicht mehr zu denken war, setzten wir uns auf unseren Roller und machten uns auf den Weg, eine neue, ruhigere Unterkunft zu suchen.

Wir hatten nicht mehr die Gelegenheit herauszufinden, ob jeden Morgen so früh zum Gebet gerufen wird oder ob der Muezzin einfach einen motivierten Tag hatte. Wir checkten nach dieser Nacht aus.

Unsere kleine Rollertour über die Insel offenbarte uns eine Vielzahl an einfachen, günstigen Unterkünften. Da der Tourismus auf Nusa Penida noch nicht so alt ist, sind viele Zimmer nagelneu. Wir entschieden uns für ein abgelegenes Zimmer mit Blick auf Natur und Palmen, sehr weit weg von der Moschee.

Rollerfahren auf Nusa Penida – ein echtes Abenteuer

Die meisten Unterkünfte in Nusa Penida sind weit von der Crystal Bay, dem Hauptstrand der Insel, entfernt. Es wird überall fleißig gebaut, mag also sein, dass sich das bald ändert. Im Moment ist es allerdings so, dass man ein Fahrzeug braucht, wenn man nicht nur in seiner Unterkunft sitzen möchte. Laufen ist ebenfalls nicht wirklich eine Option, da die Entfernungen größer sind als man meint, und die Insel ziemlich hügelig ist. Wer nicht die überteuerten Taxipreise zahlen möchte, wird sich für einen Roller entscheiden. Auch die Roller sind teurer als beispielsweise in Bali, aber das ist auf kleinen Inseln häufig der Fall.

Nusa Penida

Wir hatten für die komplette Zeit einen Roller und wie immer vorher gecheckt, ob die Bremsen richtig funktionieren. Eine Versicherung ist übrigens, so weit wir feststellen konnten, in der Miete bei keinem Verleiher inbegriffen.

Rollerfahren auf Nusa Penida kann berauschend sein, wird aber nicht selten zur Herausforderung. Es gibt eine schmale einspurige Straße, die im Westen der Insel in einem recht guten Zustand ist. Auf dem Rest der Insel ist Geschick beim Fahren, gute Nerven und ein gut gepolstertes Hinterteil erforderlich.

Ein stetiger Strom an monströs großen Taxis ist jeden Tag vom Hafen zur Crystal Bay unterwegs. Diesen Taxis ist es egal, ob noch andere Verkehrsteilnehmer die Straße mitbenutzen. Sie fahren zu schnell, zu rücksichtslos und nicht selten mussten wir fast bis ins Gebüsch neben der Straße ausweichen, um nicht angefahren zu werden. Es ist also wichtig, selber langsam zu fahren und jeder Zeit bremsbereit zu sein.

Auch hier kommt es nicht selten zu Unfällen. Wir selbst wurden an unserem letzten Tag in einen Unfall verwickelt. Wir saßen im inneren eines Taxis, da wir mit unserem Gepäck zur Fähre mussten. An einer schlecht einsehbaren Stelle nach einer Kurve kollidierten wir mit einem entgegenkommenden Roller. Dem Päarchen, das auf dem Rolller gesessen hatte, war zum Glück bis auf ein paar Kratzer, fast nichts passiert. Sie waren eindeutig zu schnell und auf der falschen Spur unterwegs gewesen.

Übrigens kam anschließend kein Krankenwagen und keine Verkehrspolizei. Die beiden Touristen ließen sich zu dem kleinen Krankenhaus der Insel fahren. Der Rest wird untereinander geregelt. Verkehrspolizei gibt es keine auf Nusa Penida.

Nusa Penida

Solche Bauwerke finden sich häufig auf der Mitte von Kreuzungen und können ein guter Anhaltspunkt sein, ob man sich im Kreis  bewegt 🙂

Je weiter südlich man die Insel erkundet, desto schlechter ist der Zustand des Straßenbelags. Häufig ist die Bezeichnung Straße gänzlich unangebracht. Wie bereits erwähnt, sollte man hier nur fahren, wenn man viel Erfahrung auf dem Roller hat.

Das Finden des Ziels stellt die nächste Herausforderung dar. Sehr selten findet man Schilder, manche handgeschrieben, manche liegen im Gebüsch. Auch Google Maps verhält sich mitunter rätselhaft auf dieser Insel. Wir kamen nicht drum herum, uns immer wieder mal nach dem Weg zu erkundigen. Die freundlichen Einheimischen freuten sich wenn sie helfen konnten, auch wenn natürlich nicht jeder englisch sprach.

Rollerfahren

Nusa Penida Verkehrsschild

Vor der Kante immer auf die Bremse treten?

Nusa Penida

Auf Nusa Penida leben Moslems und Hinduisten

Einzigartige, paradiesische Strände

Crystal Bay

Die Crystal Bay ist die berühmteste Bucht von Nusa Penida und das zurecht. Fast unmittelbar vom Ufer aus, geht es mit Korallen los. Vor allem auf der linken Seite befinden sich fantastische, intakte Korallengärten. Hier wird selbstverständlich auch getaucht, aber schon beim Schnorcheln haben wir Schildkröten und einen kleinen Hai gesehen.

Nusa Penida Crystal Bay

Dieser Strand ist der einzige in Nusa Penida, zu dem man nicht erst über eine Steilklippe absteigen muss. Deshalb ist es sowohl im Wasser als auch am Strand teilweise extrem überfüllt. Jeden Tag werden große Ladungen Tagestouristen aus Bali und Lembongan angekarrt. Das Wasser ist dann so voller Boote, dass es beim schnorcheln ziemlich nervig wird. Am Wochenende ist es am schlimmsten. Abends und morgens ist deutlich weniger los.

Der Strand selber ist auch schön und meistens nicht zu überfüllt. Es gibt einige Warungs, die Bratreis, Bratnudeln und Bier verkaufen. Liegen und Sitzsäcke können gemietet werden.

Nusa Penida

Die Strandschweine von der Crystal Bay

Pandan Beach

Wer nach mehr Ruhe und Abgeschiedenheit sucht, ist auf dem Strand genau neben der Crystal Bay richtig. Über eine steile Treppe gelangst du über den Hügel, der die beiden Strände trennt. Der schweißtreibende Aufstieg lohnt sich, da du mit einem einsamen Strand, den du vielleicht sogar für dich allein hast, entschädigt wirst. Ob es sich hier gut schnorcheln lässt haben wir nicht ausprobiert, da wir Abends dort waren. Der Sonnenuntergang ist auf jeden Fall spektakulär. Wem dieser Strand noch nicht einsam genug ist, der kann über den nächsten angrenzenden Hügel steigen und gelangt an den Puyung Beach.

Sonnenuntergang Padan Beach

Gamat Bay

Auf der Suche nach einem spektakulär schönen Strand, machten wir uns auf den Weg zur Gamat Bay. Ein Strand ist für uns erst dann wirklich interessant, wenn man auch gut schnorcheln kann (wir liegen nur selten den ganzen Tag am Strand herum).

Schon die Fahrt mit dem Roller zur Gamat Bay war spannend. Wir bogen in die Straße mit dem Schild in Richtung Gamat Bay ein und kamen zunächst gut voran. Nach einiger Zeit verwandelte sich der Straßenbelag in etwas bewegliches, steiniges und löchriges. Die hügelige Landschaft um uns herum wurde indes immer spektakulärer.

Die Straßen verwandelte sich in einen schmalen Trampelpfad, und wir waren und sind bis heute nicht ganz sicher ob wir auf dem richtigen Weg waren. Am Ende des Trampelpfads stießen wir auf eine kleine Lehmhütte, die unter einem schattigen Baum stand unter dem Hühner pickten. Eine verrunzelte, zaundürre alte Dame mit großen schwarzen Kulleraugen gab uns zu verstehen, dass wir ab hier unsere Füße benutzen müssten.

Über ausgetrocknete, terrassenartig angelegte Wiesen auf denen sanftäugige Kühe grasten, ging ein Trampelpfad nach unten. Der Weg war zunächst relativ einfach zu gehen, wenn auch ungeschützt in der prallen Sonne und wurde immer steiler. Zwischendurch waren wir uns immer wieder unsicher, ob es nach der nächsten Biegung noch weiter geht. Für den kompletten Abstieg haben wir sicher mindestens 20 Minuten gebraucht.

Nusa Penida

Kletterpartie nach unten – festes Schuwerk erforderlich

Unten angekommen wurden wir mit einem wunderschönen Strand belohnt, der aber zum schnorcheln nicht geeignet war. In den hohen Wellen vergnügten sich ein paar einheimische Surfer. An diesem Strand findet man keinerlei Warungs oder Liegen, man kann auch keine Getränke kaufen. Das einzige was es gibt ist ein kleiner, verfallender Tempel, der noch genutzt wird.

Nusa Penida Gamat BayNusa Penida Gamat Bay

Ausflüge – auf der Suche nach der spektakulärsten Aussicht der Insel

Nusa Penida besitzt eine zerklüftete Steilküste, die uns in ihren Bann gezogen hat. Es gibt soviel umwerfende Aussichtspunkte, dass wir nur einen Bruchteil besucht haben.

Nusa Penida

Kelingking Beach

Der berühmteste Ausblick der Insel, ist der von oben auf den Dinosaurier Felsen und den Kelinking Beach. Wir sind früh hingefahren und hatten das Glück, vor den Touristenmassen anzukommen. Es war wirklich atemberaubend. Nicht nur die Sicht auf den einzigartig schönen Strand und den wie einen T-Rex geformten Felsen. Nein, wir hatte auch das Glück von oben im kristallklaren Wasser Manta Rochen mit zwei bis drei Metern Spannweite zu sehen. Ein absoluter Gänsehautmoment.

Nusa Penida Kelingking Beach Nusa Penida MantaRochen im Wasser

Es gibt auch die Möglichkeit, zu dem Strand runter zu klettern. Der Weg ist aber extrem steil und in keinem guten Zustand. Man braucht ca. 30 Minuten runter und mindestens 45 wieder hoch, beides in der prallen Sonne. Wer sich nach unten traut, wird mit einem unglaublich schönen, einsamen Strand belohnt.

Dieses Abenteuer haben wir ausgelassen und haben uns lieber noch eine anderen Ausblick gegönnt.

Kelingking Beach

Der Aussichtspunkt auf den Kelingking Beach füllt sich im Laufe des Vormittags immer mehr

Bahna Kliff

Eigentlich wollten wir uns ja den Tembeling Beach and Forest anschauen, aber wie schon erwähnt, ist die Orientierung auf der Insel nicht so einfach. Die Straßen sind in dieser Gegend auch in einem angsteinflössend schlechten Zustand. Viel Verkehr gibt es nicht und die paar Roller die man sieht sind ziemlich langsam unterwegs. Oft hält man, wenn ein andere Roller auf einen zukommt, an, um nach dem Weg zu fragen, oder selbst Auskünfte zu erteilen. Von dem Wald hatte noch niemand gehört. Bahna Kliff fanden wir dann eher zufällig, nachdem wir einer Schotterpiste gefolgt waren.

Nusa Penida

Exakt so haben wir uns gefühlt, als wir endlich angekommen waren

Hier war der Weg nach unten zum Aussichtspunkt auch ein bisschen nervenaufreibend, aber in einem recht guten Zustand.

Die Aussicht war wunderschön und unter uns sahen wir wieder Manta Rochen durchs Wasser gleiten.

Nusa Penida Nusa Penida Nusa Penida

Restaurants – ein paar Empfehlungen (für Veggies)

Der Tourismus in Nusa Penida ist noch relativ neu, das merkt man auch an den Warungs. Man bekommt überall Nasi Goreng, also Bratreis, oder Migoreng, Bratnudeln. Diese schmecken mehr oder weniger gut, bei der vegetarischen Variante ist es ratsam dazu zu sagen, dass man keine Fischsoße möchte. Natürlich ist es ziemlich langweilig, sich von morgens bis abends nur von Bratreis und Bratnudeln zu ernähren.

Nusa Penida Soul kitchen

Tempeh Burger und Tempeh Grillsandwich im Vegan Soul Kitchen

Ein paar Ausnahmen gibt es allerdings auch auf Nusa Penida. Gleich zweimal waren wir in einem veganen Restaurant, dem Vegan Soul Kitchen. Ein bisschen abgelegen, dafür sehr ruhig mit wunderschöner Sicht über den bewaldeten, hügeligen Norden Nusa Penidas. Bei guter Witterung sieht man sogar den Mount Agung auf Bali.

Sehr schön fanden wir auch das direkt am Strand im Norden gelegene Penida Colada, wo es, wie der Name schon sagt, sehr leckere Pina Coladas gibt, aber auch wirklich gutes, abwechslungsreiches Essen.

Sehr gut geschmeckt hat es uns im Coconut Warung nahe des Hafens Dermaga Banjar Nyuh. Dieses bietet ein indonesisches Buffet, das sogenannte Nasi Campur. Es gibt eine große Auswahl vegetarischer Gerichte, eine willkommene Abwechslung zu Nasi -und Mie Goreng.

Nusa Penida hat ein Müllproblem

Traurig, dass wir dieses Thema hier überhaupt erwähnen müssen, aber es gehört, wie wir finden, zu einem ehrlichen Reisebericht dazu.

Nusa Penida fühlt sich an, wie Bali vor 15-20 Jahren gewesen sein muss. Der Tourismus steckt noch in den Kinderschuhen. Trotzdem sind schon überall in Plastik verpackte Produkte erhältlich. Und was passiert mit dem Müll? Leider gar nichts, er wird einfach neben die Straße in den Wald geworfen. Hühner und Schweine laufen darin rum. Morgens werden regelmäßig Müllfeuer entfacht – die Dämpfe sind widerwärtig und bestimmt auch ungesund.

Für die hier lebenden Menschen ist der Müll noch kein Thema. Während wir auf der Insel waren, fanden Wahlen der Lokalregierung statt. Die Partei, die gewonnen hat, hatte den Bau besserer Straßen versprochen. Bessere Straßen bedeuten mehr Touristen, also ein besseres Leben für die Inselbewohner, die lange nur von der Landwirtschaft abhängig waren. Mehr Touristen bedeuten aber auch mehr Müll. Man kann nur hoffen, dass mittelfristig ein vernünftiges Entsorgungssystem entsteht.

Nusa Penida

Die Einwohner dieser kleinen Insel haben uns mit ihrer herzlichen Art besonders beeindruckt. Diese kleinen Rabauken posierten auch gerne für unser Foto

Wir fanden Nusa Penida herrlich und wir konnten uns wunderbar entspannen. Die Entwicklung die wir hier beobachten, geht aber ganz klar in Richtung zweites Bali. Also reist am besten jetzt dorthin und freut euch über den ursprünglichen Charme dieser Trauminsel.

Habt ihr schon von unseren Abenteuern unter Wasser gelesen? Wenn nicht, hier entlang bitte.

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