Charmantes Pondicherry und seine Umgebung

Charmantes Pondicherry

Wir waren erleichtert, das chaotische stinkende Chennai zu verlassen. Mit dem Zug ging es 196 km in den Süden nach Pondicherry. Nach unserem Kaltstart in Chennai, versprachen wir uns von Pondicherry die nötige Erholung.

White Town

Pondicherry war bis 1954 die Hauptstadt französisch Indiens. Dieser Einfluss ist in dem malerischen Viertel White Town offensichtlich. Es gibt eine große Anzahl Häuser aus der Kolonialzeit, teils verfallen, teils schön Instand gesetzt.

White Town - Pondicherry

White Town – Pondicherry

Pondicherry - Kontraste gehören hier zum Straßenbild

Pondicherry – Kontraste gehören hier zum Straßenbild

Kleine Cafes mit bezauberndem Flair locken mit Kuchen und Kaffeespezialitäten. Nicht selten werden diese von emigrierten Franzosen geführt. Hübsche Boutiquen die Kleidung, Schmuck – oft von lokalen Künstlern – anbieten, säumen die kleinen Gassen. Die Straßen sind so sauber, sind wir noch in Indien?

Cafe des Arts Pondicherry - zurecht berühmt

Café des Arts Pondicherry – zurecht berühmt

Hippster Cafe im kolonialen Prunk - das Cafe des Arts Pondicherry

Hippster Cafe im kolonialen Prunk – das Café des Arts Pondicherry

Übernachtung

Wir hatten unser Zimmer im Aadhaar Guesthouse. Diese Unterkunft können wir uneingeschränkt empfehlen. Das von Franzosen geführte Guesthouse war sehr sauber, entzückend eingerichtet und gut ausgestattet. Hier haben wir viel Zeit auf der einladenden Dachterrasse verbracht. Leider ist die Lage etwas unpraktisch. Whitetown und die Altstadt sind zwar von der Entfernung theoretisch in Laufnähe, allerdings wird einem das Laufen an der Straße, durch den Verkehr und den Müll und Unrat links und rechts der Straße, vergällt. Wir sind ziemlich schnell auf Rikschas umgestiegen.

Bezauberndes Aadhaar Guesthouse

Bezauberndes Aadhaar Guesthouse

Strände in Pondicherry und indisches Strandleben

Es gibt mehrere Strände um Pondicherry herum, von denen wir uns drei angesehen haben. Begeistert hat uns aber keiner dieser Strände. Haben wir doch eine gänzlich andere Vorstellung von einem Strandaufenthalt als die meisten Inder.

Pondicherry Stadtstrand

Der Stadtstrand in White Town ist nicht zum Baden geeignet. Die lange Promenade lädt aber vor allem in den Abendstunden zum Flanieren ein. Leider ist der komplette Strand bis auf die Promenade selbst vermüllt.

Strandpromenade White Town

Strandpromenade White Town

Die obligatorische Ghandi Statue

Die obligatorische Ghandi Statue

Serenity Beach

Rund fünf Kilometer nördlich von Pondicherry befindet sich der Serenity Beach. Der Strand wird hauptsächlich von Fischern genutzt, ihre unzähligen Boote liegen Nachmittags malerisch im Sand. Hier kann, je nach Wellenstärke, gebadet werden. Den ein oder anderen Touristen haben wir hier gesehen, hauptsächlich wird der Strand jedoch von Einheimischen besucht. Wer noch nie in Indien am Strand war, bzw nur die Strände von Goa oder Gokarna kennt, weiss nicht was das bedeutet. Wir waren uns auch nicht darüber im klaren. Die wenigen Einheimischen die sich ins Wasser trauten behielten meist ihre gesamte Kleidung an. Männer sieht man manchmal zumindest mit langen Badeshorts und Tshirt, Frauen gehen dagegen meist komplett angezogen mit Sarie oder Salwar Kameez, also Kleid und Hose, zum baden. Viele Inder können nicht schwimmen und plantschen nur ein wenig in der Brandung. Wenn man hier als Frau baden gehen möchte, lässt man entweder die Klamotten an oder kommt damit klar, dass man wie ein Alien angestarrt und fotografiert wird. Sarah fand beides nicht so prickelnd.

Fischerboote am Serenity Beach - Pondicherry

Fischerboote am Serenity Beach – Pondicherry

Serenity Beach

Dieser Strand ist außerdem so gut wie gar nicht erschlossen. Das heisst es gibt keine Liegen und keine Schattenplätze direkt am Strand. Ein paar kleine Cafes und Restaurants bieten aber Schatten und man kann sich mit Essen und Getränken versorgen. Auch hier besteht leider ein Müllproblem, am Strand verteilt aber auch im Wasser befindet sich Plastikmüll und anderer Unrat. Leider mussten wir auch feststellen, dass der Strand von den Anwohnern als öffentliches Klo genutzt wird, was diesen Strand nicht einladender macht.

Paradise Beach

Dieser Beach liegt ca. 7 km von Pondicherry entfernt und wird mit dem Boot angefahren. Am offiziellen Bootsanleger, dem Chunnambar Boathouse, mussten wir uns erstmal anstellen, da sehr viel los war. Schließlich durften wir auf das Ausflugsboot und wurden angewiesen, eine Schwimmweste anzulegen.

Lachanfall wegen der Schwimmwesten

Über den breiten, ins Meer mündenden Chunnambar Fluß, geht es Richtung Strand. Am Zielort eingetroffen fällt sofort auf, wie stark alles reglementiert ist. In abgesteckten Bahnen wird man in Richtung eingezäunten Strandabschnitt gelotst. Der Strand präsentiert sich makellos sauber mit feinem weißen Sand. Hier liegt kein Müll herum, es gibt Mülleimer, Duschen und Toiletten.

Schwimmen verboten?

Das alles klingt erstmal vielversprechend, es zeigte sich aber schnell, dass die Inder eine komplett andere Auffassung von einem schönem Tag am Strand haben und dass die indische Strandkultur doch sehr unterschiedlich zu der Unsrigen ist.

Paradise Beach – Pondicherry

In dem kleinen abgesteckten Strandabschnitt, tummeln sich schon dutzende komplett bekleidete Inder und plantschen ein bisschen in der Brandung oder tauchen nur ein bisschen die Füße ins Wasser. Keine Touristen, ein paar wenige nicht ganz so traditionell gekleidete Inderinnen. Ein mit Trillerpfeife bewaffneter Bademeister pfeifft jeden an, der sich zu weit ins Wasser traut, oder links und rechts des abgesteckten Strandabschnitts ins Wasser geht. Wir wollen das Wasser auch mal ausprobieren und werden permanent angepfiffen.

In Klamotten plantschen – Frauen und Mädchen sieht man so gut wie gar nicht beim Baden.

Schließlich entscheiden wir uns, den eingezäunten Strandabschnitt zu verlassen und etwas privater an dem extrem langen, komplett einsamen Strand ganz für uns zu baden. Beim verlassen des eingezäunten Strandabschnitts, werden wir wieder angepfiffen. Der Bademeister erklärt uns, dass wir unser Ticket hier abgeben müssen und es erst wieder bekommen, wenn wir zurück kommen. Hier kann ich im Bikini schwimmen, ohne gleich massenhaft Aufmerksamkeit auf mich zu ziehen.

Die wenigen Schattenplätze sind schnell belegt

Unsere Suche nach einem schattigen Plätzchen oder Sonnenliegen wurde an diesem vermeintlich gut ausgestatteten Strand enttäuscht. Eine handvoll Strohschirme und ein paar karge Hütten bieten etwas Schatten, sind aber sehr schnell voll besetzt.

Raindance – Bollywood lässt grüßen

Eine Besonderheit an diesem Strand, die wir sehr skurril fanden, wollen wir euch nicht vorenthalten. Im vorderen Bereich des Strands war uns schon beim Ankommen ein kleines Becken aufgefallen, über dem in regelmäßigen Abständen weiße Rohre angebracht waren, aus welchen feiner Sprühregen floss. Aus einem Lautsprecher ertönte etwas verzerrt laute Bollywood-Musik. Wir konnten uns zunächst nicht vorstellen, für was dies Vorrichtung gut sein sollte. Schließlich begab sich die erste Gruppe indischer Mädchen – komplett angezogen – in die Regendusche und begann zur Musik zu tanzen. Immer mehr komplett angezogene junge indische Frauen und Männer begannen sich unter dem stetigen Regenfall zur Musik zu bewegen. Wir betrachteten das für uns seltsame Verhalten und erlebten ein Stück indischer Kultur, die sich auch in den Wet-Sari-Scenes in vielen Bollywood Filmen findet. Inmitten des indischen Moralsystems ist das eine der wenigen Möglichkeiten, mehr vom Körper des anderen Geschlechts zu sehen, ohne dass es notwendig ist sich zu entkleiden.

Wer hätte gedacht, dass man am Strand soviel über die Kultur eines Landes lernen kann?

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